Corona-Risiko: Vorerkrankung der Atemwege durch COPD

Wenn es in diesen Tagen um Corona geht, fällt auch immer der Begriff Risikogruppe. Werden Tote infolge der Viruserkrankungen Covid-19 gemeldet, so ist meist von Vorerkrankungen die Rede. Eine solche mögliche Vorerkrankung ist COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung). Schätzungen der WHO zufolge ist diese als unheilbar geltende Krankheit die dritthäufigste Todesursache weltweit.

Es gibt zwar erste Meldungen aus der Forschung, dass man die als unheilbar geltende chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) medikamentös bald verhindern kann, aber schon jetzt kann man mit anderen Maßnahmen sowohl das Risiko an COPD zu erkranken vermindern als auch den Krankheitsverlauf stark abmildern. 

 

Dazu muss man wissen, dass es sich hier wie bei vielen anderen chronischen Erkrankungen auch um entzündliche Prozesse handelt. Diese treten auch auf bei Asthma, Arthrose, Arthritis, Psoriasis (Schuppenflechte), Bluthochdruck, Polyneuropathie, Multiple Sklerose, Depressionen und auch Diabetes-Typ-2. Wobei beim Diabetes Entzündungen sowohl als Auslöser als auch als Folge gehandelt werden.

 

Verdeutlicht man sich, dass COPD mittlerweile von der WHO als die dritthäufigste Todesursache weltweit genannt wird, bekommt das Thema plötzlich einen hohen Stellenwert. COPD steht dabei für eine ganze Gruppe verschiedener Atemwegserkrankungen, die gekennzeichnet sind von entzündlichen Prozessen im ganzen Körper, etwa Entzündungen der Atemwege, Störungen der Lungenfunktion und einer kürzeren Lebenserwartung. Zu Deutschland liegen bisher nur recht wenige Daten vor. Im Jahre 2010 ging man hier von 6,8 Mio. COPD-Fällen aus. 2030 rechnet man bereits mit 7,9 Mio. Betroffenen. 

 

Ein entscheidender Baustein im Umgang mit COPD ist die Ernährung. Eine falsche Ernährung wird in Fachkreisen immer häufiger als Mitverursacher chronischer Erkrankungen genannt. Mit der richtigen Ernährung kann man an den entscheidenden Stellschrauben drehen, eine chronische Erkrankung generell zu verhindern oder aber den Verlauf abzuschwächen bis hin dazu, dass die Symptome ganz verschwinden, so auch bei COPD.

Übergewicht

Oft ist Übergewicht Resultat einer falschen Ernährung und ein Risikofaktor für COPD. Mit einer Ernährungsumstellung vermindert man nicht nur das Risiko an COPD zu erkranken, sondern man lässt meist auch automatisch die überflüssigen Pfunde purzeln. Selbst Lungenfachärzte haben die Bedeutung der Ernährung erkannt und raten meist zu einer Ernährungsumstellung. Vielfach wurden Erfahrungsberichte veröffentlicht, die die positiven Erfahrungen mit basischer Ernährung schildern.

 

Klar kann es auch Einwendungen geben, etwa dass man schon mit dem Rauchen aufhören musste und man jetzt nicht mehr essen dürfe, was einem schmeckt. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, über die Gesundheit eher nicht. Wenn die reale Chance besteht, durch Umstellung der Ernährungsweise eine chronische Entzündung entscheidend einzudämmen, um wieder mehr Freude und Teilnahme am Leben zu verspüren, wird die Entscheidung einem quasi abgenommen.

 

Mehrfach haben Studien inzwischen bewiesen, dass das COPD-Risiko durch eine vollwertige eher gemüsebasierte Ernährung um ein Drittel reduziert werden kann. Wow! Auch eine mediterrane statt westlicher fleisch- und kohlenhydratlastiger Ernährung bietet einen besseren Schutz. Mediterrane Ernährung meint mehr Früchte, Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Saaten. Gelegentlich darf es auch Fisch (möglichst frisch) geben. Milchprodukte, Fleisch, Weißmehl oder Fastfood führen gerade bei Kindern häufiger Asthma, wie Studien zeigten.

 

Verbesserung der Lungenfunktionswerte

Mit Obst und Gemüse lässt sich die Zufuhr an natürlichen Vital-, Mineral- und Ballaststoffen stärken. Auch sind viele Gemüse gute Lieferanten für Antioxidantien, die Entzündungshemmer schlechthin. 

Studien bei Kindern konnten einen direkten Zusammenhang zeigen zwischen weniger Gemüse und steigendem Risiko an Asthma zu erkranken.

 

Bei Erwachsenen stieg nach einer solchen gesünderen Ernährung etwa nach zwei Jahren der sogenannte FEV1-Wert, der bei COPD normalerweise kontinuierlich sinkt. Auch hier konnte über einen längeren Zeitraum hinweg ein direkter Zusammenhang zwischen einem reichlichen Gemüse- und Obstverzehr und einer Verbesserung der Entzündungswerte und von FEV1 nachgewiesen werden. Bei der vergleichenden Kontrollgruppe mit zu wenig Obst- und Gemüseanteil musste eine Verschlechterung konstatiert werden.

 

Die Forscher fanden auch heraus, dass es nichts nützt, mal eben ein paar Wochen auf gesünder umzustellen. FEV1 verändert sich nur zum Positiven, wenn ein grundsätzlicher Wechsel hin zu mehr Obst und Gemüse erfolgt.

Mineralstoffversorgung

Wie bei allen chronischen Entzündungen besteht oft auch eine Unterversorgung mit wichtigen Mineralien. Meist sind diese essentiell, d. h. unser Körper kann diese nicht selbst herstellen. Wir müssen also über unsere Nahrung und gute Nahrungsergänzer für eine ausreichende Versorgung sorgen.

 

Magnesium

Dieses Element ist zwar nur zu 20 g in unserem Körper vorhanden, dafür aber an mehr als 300 Stoffwechselvorgängen beteiligt. Bei Entzündungen ist der Magnesiumverbrauch oft stark erhöht und somit schnell ein zu niedriger Magnesiumspiegel erreicht. Wichtig ist hierbei zu wissen, dass insbesondere Vitamin D und Kalzium für eine Aktivierung bzw. Aufnahme durch unseren Körper Magnesium benötigen. Da Magnesium für eine reibungslose Funktion der Muskeln wichtig ist, ist bei schlechterer Versorgung auch die Funktion der Muskulatur für die Bronchien beeinträchtigt. 

 

Kalzium

Durch viele Studien weiß man, dass bei COPD-Patienten die Aufnahme von Kalzium offensichtlich erschwert ist. Obwohl genug Kalzium zugeführt wird. Das kann an einem Magnesiummangel liegen und/oder an einem Vitamin-D-Mangel. Vitamin D wird im Darm für die Kalziumaufnahme benötigt. Fatal wird das Ganze, wenn ein Kalziumüberschuss zu Ablagerungen in den Blutgefäßen führt (Arteriosklerose) und so den Sauerstofftransport in der sowieso schon geschädigten Lunge noch weiter beeinträchtigt.

 

Selen

Selen wird alljährlich zur Stärkung des Immunsystems in der Grippesaison empfohlen. Offensichtlich unterstützt Selen die Funktion der unteren Atemwege ganz besonders, da es den Abtransport von Schadstoffen aus der Lunge fördert.

 

Ballaststoffversorgung

Dass der Darm unser größtes Immunorgan ist, wissen viele bereits. Dass es eine direkte Verbindung ballaststoffreicher Ernährung zu COPD gibt, konnten erst neuere Studien belegen. Diese konstatierten eine gesündere Lunge, wenn man nur mindestens 20 g Ballaststoffe wie Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Hafer, Nüsse, Saaten, bestimmte Gemüsesorten wie Möhren, Kohl und Kartoffeln täglich in den Speiseplan einbaut. Man konnte sogar ganz allgemein feststellen, dass Populationen wo genügend Ballaststoffe zum täglichen Essen gehören, nur halb so viele an Atemwegserkrankungen leiden.

 

Eine solche Ernährungsweise hilft im Übrigen auch bei Diabetes-Typ-2 und auch Viruserkrankungen wie Influenza oder Covid-19 nehmen einen leichteren Verlauf.

Antioxidantien

Diese freien Radikalen-Fänger sind bei jeder chronischen Entzündung von mitentscheidender Bedeutung. Freie Radikale entstehen im Lungengewebe als Zellreaktion auf Schmutzpartikel in der Atemluft und verursachen den oxidativen Stress. Haben sich erst einmal freie Radikale gebildet, können sie ihr Zerstörungswerk auch im Lungengewebe beginnen. Auf der Suche nach dem fehlenden Elektron können sie jede unserer Körperzellen angreifen und selbst zum freien Radikal machen. Diesen Prozess gilt es zu stoppen. Möglichst schnell. Antioxidantien neutralisieren die freien Radikalen, indem sie „freiwillig“ das fehlende Elektron zur Verfügung stellen, ohne selbst zum freien Radikal zu werden. Ein Super-Antioxidans schlechthin ist das Astaxanthin aus der Gruppe der Karotinoide. Mit seinen hervorragenden Eigenschaften hilft es in vielen Körperbereichen den oxidativen Stress zu beseitigen und somit die Entzündungen zu stoppen.

Weitere wichtige Antioxidantien sind die Vitamine C, E, Flavonoide und Karotinoide wie Astaxanthin, Lycophin und Beta-Cryptoxanthin. Letzteres macht zumindest Hoffnung, dass sich damit Lungentumore zurückdrängen lassen. Auch Kurkuma sollte – wie bei allen Entzündungen – nicht vergessen werden.

 

Vitalstoffversorgung

Vitamin C

Nur allein auf dieses Antioxidans zu setzen, führt in die Irre. Natürlich weiß jedes Kind, dass eine Ernährung reich an Vitamin C gerade in der Erkältungs- und Grippezeit wichtig ist, um unser Immunsystem zu stärken. Also in der Zeit, wo uns Infektionskrankheiten der oberen und unteren Atemwege besonders plagen, jedoch liegen hierzu noch nicht viele Studien vor. Diese haben aber zumindest eindeutig gezeigt, dass eine Ernährung arm an Vitamin C COPD begünstigen kann bzw. bei COPD-Patienten der Vitamin C-Spiegel niedriger ist als bei Gesunden.

 

Vitamin C findet man in Hagebutten, Sanddorn, Paprika, Kohl, Zitrusfrüchten, Beeren, Spinat.

 

Vitamin E

Auch hier ist so, dass eine Vitamin-E-Gabe alleine nicht hilft. Vitamin E ist zwar ein starkes Antioxidans, braucht aber, nachdem es frei Radikale neutralisiert hat, Vitamin C um sich wieder zu „reparieren“. Beide Vitamine arbeiten eng zusammen und sollten bei jeglicher Entzündungen immer reichlich vorhanden sein.

 

Bei COPD-Patienten konnten Studien einen direkten Zusammenhang zwischen ein Schub der Krankheit und einem besonders niedrigen Vitamin-E-Spiegel nachweisen. Ebenso gilt, dass man das Risiko an COPD zu erkranken um 10 Prozent senken kann, wenn man immer auf ausreichende Versorgung mit Vitamin E achtet.

 

Außer in Nahrungsergänzungen findet man Vitamin E in Pflanzenölen (Sonnenblumen, Weizenkeimen, Oliven), Leinsamen, Nüssen, Fisch, Süßkartoffeln, Haferflocken, Obst und Gemüse.

Flavonoide

Das sind Pflanzenstoffe mit antioxidativer und entzündungshemmender Wirkung. Gerade ihre anti-allergische Wirkung ist bei Erkrankungen der Atemwege äußerst hilfreich. Zu finden in: Nüssen, Saaten, Obst und Gemüse, dunkle Schokolade, Tee, Kräuter. 

Astaxanthin

Dass bei chronischen Entzündungen, insbesondere Antioxidantien gefragt sind, haben wir schon thematisiert. Doch welches ist ein besonders starkes Antioxidans? Dazu gibt es inzwischen mehrere Studien. Danach kann Astaxanthin freie Radikale fast 20-mal besser als Vitamin E, über 50-mal besser als Beta-Carotin, über 60-mal besser als Vitamin C eliminieren.

Da Astaxanthin überall im Körper wirkt, wo sich Entzündungsherde befinden, ist der Einsatz auch bei COPD und anderen Atemwegserkrankungen naheliegend, da es sich hier immer auch um (chronische) Entzündungen handelt.

Gesunde Lebensweise

Hierzu gehört neben der Ernährung ein geregelter Tagesablauf, Vermeidung von Dauerstress, regelmäßiger und ausreichender Schlaf immer zu festen Zeiten, feste Mahlzeiten, Wechsel von Phasen der Anspannung mit denen der (aktiven) Entspannung. Gerade niedrig-intensiver Sport und regelmäßige Bewegung kann bei COPD zu einer Verminderung der Symptome und einer Verlangsamung des Krankheitsverlaufs führen. Es wird sogar bei COPD Ausdauersport empfohlen, da hier die Belastung relativ gleichbleibend ist.

Zusammenfassung

COPD steht für eine ganze Gruppe verschiedener Atemwegserkrankungen, die gekennzeichnet sind von entzündlichen Prozessen. Die medizinische Forschung stuft diese Erkrankung als unheilbar ein. Wir haben jedoch in diesem Artikel gezeigt, dass die richtige Ernährung ein entscheidender Faktor sein kann, diese Erkrankung zu lindern bzw. aufzuhalten. Der Schlüssel liegt darin, dass man über die Bekämpfung von entzündlichen Prozessen durch geeignete Ernährung inzwischen viel weiß. Auch bei COPD handelt es sich um chronische Entzündungen. Dass eine Umstellung der Lebensweise hin zu einem (wieder) natürlichen täglichen Rhythmus für die Behandlung von COPD von großem Vorteil ist, steht ebenso außer Frage. Wer zusätzlich noch an Übergewicht leidet und damit den Verlauf von COPD begünstigt, kann mit einer Umstellung der Ernährungs- und Lebensweise fast automatisch sein Normalgewicht erlangen. Es gilt wie immer: Machen Sie ihr Immunsystem zur uneinnehmbaren Festung!


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